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Der Flug Die Strecke Die Vorbereitung Radtechnik Bekleidung Straßen Verkehr Campsites Reisepapiere Reisetips der US-Botschaft

Für ein Unternehmen dieser Größenordnung braucht es natürlich eine fundierte Planung. Nichts überstürzen ist die Devise. Mit etwas Geduld und Initiative, und die scheinen Sie zu haben, sonst wären Sie hier nicht gelandet, kann man so einiges erreichen. Ich persönlich habe mir damals ein Buch aus den Staaten bestellt. Es ist von einem amerikanischen Journalistenpaar und beschreibt sehr detailgenau die Fahrt von Vancouver nach San Diego. Es ist leider nur auf Englisch erhältlich. Ich habe mir die Mühe gemacht, es für meine Eltern zu übersetzen, kann aber aus rechtlichen Gründen diese Übersetzung nicht im Netz anbieten. Sollten Sie jedoch fragen haben, kann ich Ihnen mit Sicherheit Passagen per email zukommen lassen. Erschienen ist das Buch unter:

THE MOUTAINEERS
Bicycling The Pacific Coast
1011 S. W. Klickitat Way
Seattle, WA 98134

ISBN 0-89886-232-9   $14.95


DER FLUG

Als erste Hürde stellt sich der Flug in die Staaten dar. Fahrräder mitzunehmen, ist heute bei allen großen Airlines kein Problem mehr. Es ist jedoch darauf zu achten, wie sich die einzelnen Fluggesellschaften diesen Service entlohnen lassen. Als wir 1996 geflogen sind, gab es hier erhebliche Unterschiede. Teilweise wurden Pauschalpreise für den Hin- und Rücktransport der Fahrräder erhoben, andere Airlines verlangten Einzelpreise für jeden Flugabschnitt und wieder andere hatten eine Kombination von beidem. Wir haben uns letztendlich für DELTA AIRLINES entschieden. 1996 war bei Delta der Transport von Fahrrädern auf Transatlantikflügen noch kostenlos, aber das hat sich inzwischen auch geändert, wie ich von Delta selbst erfahren habe.
Alle deutschen Großflughäfen bieten heute Direktverbindungen in die Staaten. Preise vergleichen lohnt sich! Ob man allerdings nun nach San Francisco oder Vancouver fliegt, macht kaum noch einen Unterschied. Gabelflüge sind ebenso kein Problem, also Ankunftsort Seattle und Ablughafen Los Angeles zum Beispiel.
Die Flugzeiten sind sehr unterschiedlich. Vor allem hängt es von der Anzahl der Umsteigeaufenthalte ab. Wir haben es in 17 Stunden geschafft.

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STRECKE

Auf den ca. 3000 Kilometern von Seattle nach San Diego haben wir fast 30000 Höhenmeter zurückgelegt. Oregons Steilküste ist die reinste Achterbahnfahrt. Man sollte die Strecke immer von Norden nach Süden befahren und zwar aus 2 Gründen:
1. Der Wind weht an guten Tagen immer von Nord-West, das heißt man hat Rückenwind. An schlechten Tagen weht er einem dann direkt ins Gesicht, aber da man im Urlaub ja immer gutes Wetter hat... (Wir hatten einen Tag Regen, das wir im Hoh Rain Forest, was zu erwarten war.)
2. Man befindet sich immer auf der "Seeseite" der Straße. Fährt man von Süden nach Norden, so muß man immer erst den entgegenkommenden Fahrstreifen überqueren, wenn man die Aussichtspunkte anfahren will, was sich beim Sommerreisverkehr manchmal als hoffungloses Unterfangen darstellt. Auß:erdem ist es doch viel reizvoller, immer von Rad aus direkt in den Abgrund schauen zu können!

Die Gesamtstrecke, die man bewältigen kann, hängt wohl in den meisten Fällen von der Urlaubszeit ab. Auch wir wollten ursprünglich von Kanada nach Mexiko fahren, das klingt eben auch ganz anders als von Seattle nach Los Angeles bzw San Diego, aber man kann eben nicht alles haben!
Wir legten täglich im Durschnitt 100 Kilometer zurück. Damit läßt sich nicht nur unheimlich gut rechnen, sondern war unserer
Vorbereitung angepaßt. Die einzigen Probleme, die sich bei der Streckenauswahl ergeben können, hängen von der Lage der Campingplätze ab. Grundsätzlich ist das Angebot sehr gut. Zur Planung haben wir uns Karten der Westküstenstaaten in einem Stuttgarter Buchladen gekauft. Übrigens, als wir einmal eine Karte verloren hatten, haben wir dieselbe Karte in den USA wieder bekommen... gelobt sei der globale Wirtschftsmarkt!
Es gibt auf der gesamten Strecke massenhaft
Campingplätze. Lediglich nördlich von San Francisco war es einmal etwas dünn. In den eben schon erwähnten Karten sind alle Naturparks mit ihren Stellplätzen eingezeichnet. Die Meilenangaben auf den Karten erlauben es einem sehr genau, die einzelnen Tagesetappen auszurechnen.

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VORBEREITUNG

Zur Vorbereitung ist, so meine ich, nicht viel zu sagen. Wir haben auf der Strecke völlig untrainierte getroffen, so wie ehemalige Wüstendurchquerer mit 10000 und mehr Kilometern Fahrleistung pro Jahr. Daß die Strecke anspruchsvoll ist, wird jedem klar, der sich die Höhenprofile aus dem Buch [Bicyling the Pacific Coast] einmal genauer anschaut. Grundsätzlich würde ich niemandem empfehlen, solch eine Tour zu machen, ohne es vorher einmal in kleinerem Stil probiert zu haben. Denn mit Sicherheit kann man eine solche Tour nur wirklich genießen, wenn auch die Kondition stimmt. Wer jeden haben kaputt im Hotel oder auf dem Campground ankommt, dem wird der Spaß sicherlich bald vergehen.
Auch sollte man es einmal geprobt haben, wie man sein Zelt in Olympia-Zeit aufbaut. Man weiß ja nie, wie sich das Wetter zeigt.

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RADTECHNIK

Wir haben auf der Tour viele Radfahrer mit den ungewöhnlichsten Fortbewegungsmittel, die man sich nur vorstellen kann, gesehen. Selbstgebaute Tandems mit Scheibenbremsen, Rennräder, Klapprad mit Anhänger mit Hund drauf und ganz normale Moutainbikes. Für letzteres haben auch wir uns entschieden. Natürlich entledigt man sich der groben Stollen. Aber mit Packtaschen vorn und hinten beladen hat man auf solch einem Rad einfach eine bessere Straßenlage, so meinen zumindest wir. Aber hier muß jeder auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Wir waren mit Zelt und Schlafsack unterwegs, da kommt schon so einiges an Gewicht zusammen, so daß der breite Lenker des MTB das Manövrieren leichter gestaltet, als der Rennlenker. Unser australischer Freund war aber auch beladen wie wir (siehe Tagebuch [link einbauen!]) und fühlte sich auf seinem Renner sehr wohl.
Aber nicht nur bei der Handhabung hat das Mountainbike Vorteile. 3 Reifenpannen bei drei Rädern auf 3088 Kilometern sprechen eine deutliche Sprache und die Straßen sind nicht immer eben ([Moclipsverweis! LINK!]).
An den zahlreichen Steigungen hat sich das SPD-System von Shimano bestens bewährt. Ich möchte aber auch anführen, daß meine Eltern und ich die beste Ausrüstung von allen Radlern hatten, die wir auf unserer Reise trafen. Manchen hatten man sogar das Gefühl, wir werden dafür belächelt.
Eine gute Schaltung ist sehr zu empfehlen, denn hier liegt neben den Bremsen auf der ständigen Berg- und Talfahrt die größte Beanspruchung. Echten Radlern brauche ich nicht zu sagen, daß all diese Teile streng überprüft werden sollten, bevor man die Reise antritt. Als kleinen Gag haben mein Vater und ich uns Triathlonaufleger montiert, die aber nur selten genutzt wurden. Die Strecke bietet nur selten flache Streckenabschnitte.

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BEKLEIDUNG

Zur Bekleidung gibt es einen Grundsatz: wer die ganze Strecke fahren will braucht ALLES! Auch im Sommer sind lange Hosen und Überschuhe gut zu gebrauchen. So richtig warm wurde es erst in Südkalifornien. Der Humboldt-Strom transportiert kaltes Wasser an die amerikanische Westküste und das bekommt man jeden morgen auf's Neue zu spüren. Es war am ??. Tag, als wir zum ersten mal in kurzen Hosen loszogen.
In Washington ist es immer kalt, na ja nicht immer, aber immer öfter. Nachmittags werden angenehme sommerliche Temperaturen erreicht, wenn die Sonne scheint, aber am Morgen ist es meist empfindlich kalt. Wie gesagt, der Humboldt-Strom. Ihm hat man auch den Nebel zu verdanken, in dem wir oft den ganzen Tag herumgeradelt sind. Deshalb empfehlen sich auch manchmal dünne, aber Wasser abweisende Jacken. Vor allem in den kalifornischen Redwoods wird es sehr frisch, da es neblig, schattig und dann, vor allem auf den Abfahrten, auch sehr windig wird!
Lange Handschuhe hatte ich nicht dabei, aber wenn mir die von meiner Mutter gepasst hätten...!
Die Anzahl an Radhosen und Trikots, bzw. T-Shirts hängt natürlich von den persönlichen Hygienevorstellungen ab. Waschen kann man entweder in den vielen Waschsalons entlang der Strecke, oder von Hand auf allen Campingplätzen. Eine Wäscheleine und Klammern sollte man stets mit sich führen!

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STRASSEN

Die meiste Zeit findet man sehr gut ausgebaute Straßen vor. Vor allem die breiten Seitenstreifen lassen jedes Radlerherz höher springen. An den steilen Felsküsten Oregons allerdings verschwinden diese.
Die Strecke ist für Radler hervorragend ausgeschildert (Noch nie habe ich so viele und so große Schilder für Radler gesehen!). Man erlebt auf dieser
Strecke einfach alles. Von der Schotterpiste bis zum vierspurigen Highway ist alles drin. Herausragend ist mit Sicherheit die Einfahrt in den Flughafen von Los Angeles, auch für Radfahrer ausgeschildert zu erreichen über den Highway 1, direkt ins Terminal. Achten Sie auf Taxi- oder Busfahrer, denen der Kaugummi im Hals stecken bleibt! Es ist ein Spektakel.
Oftmals gibt es Radwege, vor allem in Südkalifornien, die den Radfahrer vom verstopften Highway wegleiten. Dann fährt man auf Betonpisten unter Palmen direkt «durch» den Strand. So gestaltet sich zum Beispiel der überwiegende Teil der Fahrt durch Los Angeles und hier muß, ich dem
Buch widersprechen; will man nicht durch Los Angeles direkt durch, so ist es keineswegs hektisch, an L.A. vorbei zu kommen. Meilenweit fährt man auf den Strandradwegen, schaut den Surfern zu, und nur das letzte Stück durch den Industrieteil der Stadt muß man wieder auf der Straße verbringen. Hier empfiehlt es sich übrigens nur tagsüber hindurch zufahren, und selbst da bekommt man schon das ein oder andere Mal ein Gänsehaut.

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VERKEHR

Die Vereinigten Staaten sind als das Paradies für Autofahrer schlechthin bekannt. Deshalb sollte man es kaum glauben, daß ich las Radfahrer nur schwärmen kann! Nicht nur die Radwege entlang der Westküste sind perfekt ausgeschildert sondern auch der Verkehr verhält sich vorbildlich. Oft wurden wir aus Büchern und von Menschen vor Ort vor den großen Holzlastern gewarnt. Vor allem in Washington und Oregon trifft man auf die Ungeheuer der Highways. Aber auch in den Redwood Wäldern Kaliforniens sind sie unterwegs. Angeblich fahren sie rücksichtslos und viel zu schnell. All diese Geschichten kann ich nicht bestätigen. An einem der haarigsten Punkte der Strecke, dem Lake Crescent, fuhren die Trucks bis zu 3 Minuten hinter uns her. Dann konnte wir von der engen Straße in eine Bucht ausweichen. Riskante Überholmanöver haben wir von LKWs nie erlebt. Gefährlicher sind da die Wohnmobile, vor allem diejenigen der großen Verleiher. Hier sitzen die Hobbycapitaine der Asphaltpisten am Steuer, und die haben oft nicht die geringste Ahnung wie lang oder breit ihre fahrende Festung ist. Aber im großen und ganzen kann man entwarnen. Der amerikanische Autofahrer hält den Sicherheitsabstand beim Überholen ein und respektiert den Radfahrer. Wir waren immer wieder positiv überrascht, wie gut es sich auf den Straßen fahren ließ. Von Zuständen wie an der Westküste Amerika's können wir hier auf Deutschand's Landstraßen bisher nur träumen.
In Washington und Oregon ist man oft sehr lange allein auf den Highways unterwegs und kann gemütlich nebeneinander herfahren. Wir wurden nur einmal in Kalifornien per Lautsprecher von der Highway Patrol zum Fahren im «Single File» aufgefordert. Wenn man allerdings auf die groß Highways im Süden trifft wird das Verkehrsaufkommen rasch riesig. Aber eigentlich stört das kaum. Nur der Lärm ist nervig. Die breiten Seitenstreifen erlauben es sogar auf der "Autobahn" noch nebeneinander herzufahren, völlig ohne gefährdet zu sein.

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CAMPINGPLÄTZE

Nur ein einziges Mal mussten wir in einem Motel Unterschlupf finden, das war in San Francisco. In dieser Asphaltwüste lassen sich keine Heringe der Zelte versenken. Ansonsten waren wir jeden Abend Gäste in diversen Stateparks. Das System ist lückenlos entlang der Küste ausgebaut. Die Parks haben für Wanderer und Radler einen besonderen Service, die sogenannten Hiker-Biker Sites. Dies ist eine mehr oder weniger große Stellfläche auf dem Platz, der vom Rest meistens etwas abgetrennt ist, aber ansonsten den gleichen Service bietet, das heißt in den meisten Fällen Duschen und Waschräume. Man kann hier eine Nacht verbringen, so lautet die Regel. Im Norden wird sie nicht streng gehandhabt, aber in Kalifornien wird man regelrecht am nächsten Morgen rausgeschmissen. Ruhetage einzulegen ohne das Rad zu bewegen stellt also ein Problem dar. Die Plätze verlangen eine pro Kopf Gebühr. Sie liegt zwischen 2 und 3 Dollar, eher jedoch 3. Wir waren also zu dritt mit meistens unter zehn Dollar pro Nacht versorgt, das macht den Urlaub billig!!!! Stand 19
Auf den Plätzen in den Redwoods wurden Metallboxen aufgestellt, in denen man seine duftenden Sachen unterbringen kann, bärensicher!

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REISEPAPIERE

Zunächst ist zu beachten, daß man einen gültigen Reisepass besitzen muß. Als ehemaliger Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma des Stuttgarter Flughafens kann ich von vielen traurigen Gesichtern berichten, die meine Kollegen und ich wieder nach Hause schicken mussten, da sie nur Personalausweise dabei hatten. Kinder brauchen entweder ihren eigenen Kinderausweis, ab 14 Jahren mit Bild, oder sollten bei den Eltern in den Reisepässen eingetragen sein.
Wer länger als 90 Tage in den Staaten verbringen möchte, muß ein Besuchervisum beantragen. Für weitere Auskünfte ist das Generalkonsulat in Frankfurt/Main  zuständig. 

Achtung: Alle Angaben sind Stand 1996

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Martin Lühning, Fellbach
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